Morgens und Abends um 7

Morgens und Abends um 7

Alles ist noch still. Der Schlaf hängt fest in Wiesen und Feldern, als Tau auf dem Gras.

Der Kater miaut leise. Samtpfoten auf Marmor, kein Geräusch.

Sie steht mit einer dampfenden Tasse Tee vor dem Fenster und staunt in den Morgen. Die Sonne schlüpft vorsichtig durch den Himmel. Es wird schön heute und sie wird es sich schön machen. Sie öffnet die Haustür und der Frühling empfängt sie mit kühler Morgenluft. Es riecht nach frischer Erde. Barfuss geht sie über den Rasen, erschrickt, als ein Hase davon hüpft.

Foto: bardo / Pixelio.de

Dann ein Zischen, ein Schatten. Ein Lachen von oben direkt aus dem Himmel. Ein Heißluftballon schwebt über dem Haus, dem Garten. Sie erkennt eine Gestalt im Korb. Winken und grüßen. Sie lacht und wünscht sich, dabei zu sein. Höhenangst zu überwinden, frei zu sein, zu schweben, der Sonne entgegen. Sie möchte jetzt gar nicht zum Auto gehen müssen, zur Arbeit fahren, der Ruhe entfliehen müssen. Deshalb nimmt sie sich Zeit und schaut dem Ballon hinterher, der als bunter  Punkt am Himmel nach einer ganzen Weile verschwindet.

Sie fährt zur Arbeit. Aber langsam. Öffnet das Dachfenster im Auto und genießt mit jedem Atemzug die Gerüche des beginnenden Sommers. Gleich, wenn die Tür wieder hinter ihr zu fällt, ist sie den Tageszeiten, der Natur, der Sonne so fern.

Aber am Fenster das Stück blaue Himmel und im Herzen der Frühling und keine Uhr an ihrem Handgelenk, die die Zeit misst. Sie verteilt großzügig ihr Lächeln, erhascht liebe Blicke, und liest Post. Sie arbeitet und nach 8 Stunden fährt sie wieder heim. Der Kater miaut laut. Am Fenster staunt sie in den Abend. Die Sonne schlüpt in ihr Himmelbett. Das Gras ist noch warm vom Tag und ein Hase mümmelt sein Abendbrot. Ein paar Vögel auf Zweigen, ein Abendlied zwitschernd. Alles so friedlich und fern von der Welt.

Dämmerung. Und am Horizont ein bunter Punkt.

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