So einer wie Kolateck

So einer wie Kolateck

Ganz anders als wir.

Martin Müller / PIXELIO.de

Klein, dick, dünne fettige Haare. Wurstfinger.

Statt einer Schultasche trug er immer eine Aktentasche bei sich. Braun und speckig. Alt sah er aus. Viel älter als wir. Von weitem wie ein Lehrer, mit seinem Seitenscheitel. Er stand immer abseits von allen.

In den Pausen wurde er mit Apfelkitschen beschmissen oder geschubst. Doch Kolateck störte das überhaupt nicht. Er lächelte nur und schüttelte nachsichtig den Kopf. Trotzdem hatte Kolateck was. Doch was, das konnte niemand richtig sagen. Vielleicht, weil er allen ein bißchen unheimlich war, mit seinem glasigen Blick und der ewig schweissnassen Stirn. Und doch suchte man manchmal seine Nähe. Dann, wenn man selbst auch mal am Rand stand, weil man jemanden verpetzt hatte oder nichts von seinen Süßigkeiten abgeben wollte. Dann ging man zu Kolateck und Kolateck verstand einen immer. Er fummelte dann mit seinen Wurstfingern aufgeweichte Bömse aus seinem Blouson oder zeigte einem ellenlange Wahrscheinlichkeitsberechnungen, die er aufgeschrieben hatte. Die Lehrer mochten Kolateck nicht. Weil er alles besser wußte und auch ganz einfach erklären konnte.

Dann war Kolateck eines Tages verschwunden. Es wurde viel geredet. Es wurde erzählt. Mal war er in der Psychiatrie gelandet, mal wurde er in der Stadt bei den Junkies gesehen. Er kam nie wieder. Aber manchmal denke ich immer noch an Kolateck, der so ganz anders war als wir.

© Sine

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