Irgendwo und überall

Irgendwo und überall

Vergessene

Ich sehe sie auf dem Schrottplatz.

Foto: Sabine Mense

Rollstühle, Rollatoren, Krankenbetten. Zum Abtransport bereit. Schon lange wartend auf die nächste Bestimmung. Veraltete, defekte oder nicht mehr benötigte metallene Hilfen. Zu Hunderten stehen sie da im Regen, in der Sonne, im Wind.

Jeder dieser Teile hatte einmal einen Besitzer, eine Besitzerin. Was ist aus ihnen geworden? Wer waren sie, frage ich mich, wenn ich auf den Metallberg blicke. Wer hat in dem Rollstuhl mit dem blauen Kissen gesessen? Wer den Rollator mit den roten Rädern geschoben?

Auf dem Friedhof sehe ich die Stellen, die einmal Gräber waren. Fristen, die abgelaufen sind. Begradigt die Erde, Blumen entfernt. Asche zu Asche. Glatt geharkt.

Ich stelle mir einfach vor, ich wünsche mir, dass die Vergessenen weggeflogen sind. Die, die Rollatoren und Rollstühle nicht mehr brauchen: sie können wieder gehen. Beschwingten Schrittes mit Sonne auf der Haut.

Die Vergessenen aus den Gräbern, die keine Gräber mehr sind: sie sind fort und sie finden sich wieder. Im Grün und im Blau. Im Rot und Gelb.  Irgendwo und überall.

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