Nachtschwärmer

Nachtschwärmer

Nachts. Kalt ist es. Regen.

 

Morbides an der B55. Aber eine Stimmung, die inspiriert. Das passende Ambiente für Texte, für bestimmte Musik, Erinnerungen, Ideen.

Etwas Heiles, Schönes in das Hässliche zu bringen. Oder Hässliches zu Hässlichem hinzufügen. Oder ist das Eigenartige gerade schön?

Nachts. Kalt ist es. Regen. Ich muss schreiben!

Notizen. Ich schreibe schnell in meine Kladde. Habe bestimmte Typen vor Augen, die genau in diese Kulisse der Tankstellenruine passen. Sollen sie schön sein? Ja! Eine schöne Figur als Kontrast zu diesem Ort. Was kann hier geschehen? Ein Motiv muss her:

Vielleicht ein Treffen. Zigarettenrauchend ein Mann im Mantel. Hastig telefonierend. Welches Auto fährt er? Einen Saab. Nicht alt, nicht neu. Der Regen geht in Schnee über. Es ist spät. Spät in der Nacht. Ab und an fahren Autos an der Ruine vorbei. Nachtschwärmer. Ein zweites Auto rumpelt  langsam auf die Einfahrt voller tiefer Löcher und Pfützen. Der Fahrer stellt den Motor ab. Schaltet das Licht aus. Wartet. Öffnet nicht die Tür.

Das Fenster wird ein Stück heruntergefahren. Der Mann im Mantel wirft seine Zigarettenkippe in die Pfütze. Erschrickt nicht, als ein vorbeifahrendes Auto hupt. Gelächter, Gegröle. Es wird mitgenommen von der Gischt des Regens. Wieder Stille. Atemwolken. Dann reißt er an der Tür, doch die ist verschlossen. Der Mann flucht. Tritt gegen die Fahrertür.

Das Fenster verschließt sich wieder.

„Verdammt!“ Im Wagen nun laute Musik. Dröhnend. Wummernd. Zuviel Bass. Zuviel Aggression.

Der Mann, er hat schönes, volles Haar, aber etwas in den Augen, das man nicht deuten kann. Viel Erlebtes vielleicht. Er steckt sich eine neue Zigarette an. Streicht seinen Mantel hinten glatt und setzt sich auf die Kühlerhaube. Raucht. Legt den Kopf in den Nacken. Am Himmel keine Sterne.

Der Motor wird gestartet. Der Mann bleibt sitzen. Das Auto fährt langsam an. Der Mann bleibt sitzen. Der Fahrer gibt Vollgas. Die Reifen drehen durch im Matsch. Ein widerliches Geräusch zerschneidet die Nacht.

Danach ist alles still. Sehr still. Auf der Pfütze platzen Blasen. Schmutz verfängt sich im vollen schönen Haar des Mannes. Der Mantel saugt die Nässe auf.

Kalt ist es. Sternenklar, kalt  und still.

 

 

 

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