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Uncut

Uncut

Was ich Raymond Carver fragen würde

Diese Texte von ihm, die mich so bewegen. Wann wurden sie geschrieben? Nachts? Morgens?

Wo? In einem dunklen, niedrigen Raum? Oder irgendwo draußen?

Inspiriert von Edward Hoppers Gemälden?

Quelle: S. Fischer Verlag

Warum? Warum hat er fast alles beschneiden lassen?

Ich lese ganz langsam. Immer wieder. Die gleichen Geschichten und doch immer wieder anders.

Nun auch: Beginners. Uncut.

Die Ausgabe ohne die Beschneidung des Lektors.

Ich bin gespannt!

Zu Besuch

Zu Besuch

Jens Märker / pixelio.de

Die Türen wurden geöffnet…

endlich!

Nach dem großen Bibliotheksbrand.

Wieder diese Pracht.

Genesung.

Wiedergewonnene Schönheit.

Edel und stolz.

Dicke Folianten, Atlanten, Almanache.

Geheimnisse in Leder gebunden, mit Goldschnitt veredelt.

Kostbar.

Die Rückennähte fingerdick.

Tintenschrift.

Schön so schön.

Zum Anfassen schön.

Nah und doch so fern.

 

 

 

Unbekannter Teilnehmer

Unbekannter Teilnehmer

Ein barsches:“Ja!“, am Telefon.

Kein Fragezeichen hinter dem „Ja“. Kein Lächeln in der Stimme.

Statt dessen zwei oder mehr hörbare Ausrufezeichen. Wer stört, soll es wohl bedeuten. Oder eine Einschüchterungs-Abschreck-Maßnahme. Ein „Mach-schnell, ich habe keine Zeit“.

Hoffentlich nicht du, nicht er, nicht sie, nicht die. Nicht jetzt.

„Hätte ich gewusst, dass du es bist, hätte ich mich natürlich anders gemeldet. Aber deine Nummer wird ja nicht angezeigt“.

Nein, meine Telefonnummer wird nicht angezeigt. Wird nie angezeigt. Warum, weiß ich noch nicht einmal. Keine Ahnung.

Und das ist auch gut so!

Ruhe

Ruhe

Draußen Geschirrklappern, hektischer Krankenhausbetrieb,

drinnen Ruhe. Am Kreuz hängt Er. Gesenkten Hauptes. Und sagt nichts.

Die Sonne sendet ihre Strahlen warm über den dunklen Marmor. Ich atme die Stille. Ganz hinten in der letzten Bank. Allein.

Rainer Sturm / PIXELIO.de

Ich schicke die Wärme zum Kreuz. Spüre, dass da jemand ist. Dem ich meinen Dank sage. Ganz still. Eine Tür öffnet sich. Eine Frau tritt ein. Sie nickt mir zu. Setzt sich in die Reihe vor mir.

Die Bäume draußen sind so schön. Ich sehne mich nach einem Spaziergang. Kalter Luft. Dem Frühling.

Ich öffne die Tür. Drehe mich noch einmal um, winke. Winke dem, der am Kreuz hängt. Die Frau, die sich zu mir wendet, winkt mir zurück.

Draußen Geschirrklappern. Der hektische Krankenhausbetrieb. Komische Gerüche. Ich lächle und bin in Gedanken schon längst draußen.

 

 

Kind der 70er

Kind der 70er

Das Kind der 70er fragt nach Dosenmilch,

und erntet fragende Blicke. Ein Schulterzucken. Ein Zurückfragen der jungen Kassiererin: „Dosenmilch? Issn ditte?“

„Naja, halt Milch für den Kaffee“, antwortet das Kind der 70er. „Ach, so. Kondensmilch! Dritte Reihe links unten“. Kopfschütteln.

Tim Reckmann /PIXELIO.de

Das Kind der 70er findet die Dosenmilch. Im Tetrapack.

Das Kind der 70er fragt in der Apotheke nach Nasentropfen und bekommt sie auch. Nach langem Suchen. Gewollt hat sie jedoch Nasenspray. Den Unterschied gab´s früher nicht. Und eine Badeanstalt gibt´s wohl auch längst nicht mehr. Aqua fun heißt so etwas jetzt. Oder anders.

Raider heißt jetzt Twix. Aber Labello ist Labello geblieben. Gibt´s noch dein Bac, mein Bac? Creme 21?

Ich bin ich. Kind der 70er. In modernen Zeiten lebend. Mittleren Alters. Und fühle mich manchmal schon so richtig alt …

 

Neues von Sine

Neues von Sine

Warum es aus ist …

 

 

Sonderpunkte 2
Sonderpunkt Verlag, Münster

 

… so heißt eine neue Geschichte von mir, die in der brandneuen Anthologie des Sonderpunkt-Verlages erschienen ist.

 

Titel des Buches:

Sonderpunkte 2.

 

 www.sonderpunkt-verlag.de

ISBN 978-3-95407050-3;  9,90 Euro

 

 

Wir haben Bücher geangelt

Wir haben Bücher geangelt

Wenn es früh dunkel wird und überall die Lichter leuchten. Es gemütlich ist und der Tee kocht. Wenn endlich die Zeit da ist, Weihnachten, dann ist auch die besondere Zeit da, in der man ganz ausgesuchte Bücher liest.

 

Thomas Ascher / PIXELIO.de

 

Ein wenig Fröhliches, ein wenig Trauriges. Nichts Spannendes. Nichts Politisches.

Ein Buch, an das man sich erinnern wird:

Weihnachten 2014 habe ich ein ganz bestimmtes Buch gelesen. Welches es sein wird? Ich weiß es noch nicht!

Zur Auswahl stehen: „Ein ganzes Leben“, von Robert Seethaler, “ Der Distelfink“, von Donna Tartt und Karen Köhler:

„Wir haben Raketen geangelt“.

Ich habe aber noch mehr, viel mehr Bücher, die ich lesen möchte.

Nicht nur zu Weihnachten. Einen ganzen Koffer voll.

Ich werde Bücher angeln!

Kennst Du sie?

Kennst Du sie?

… praktische Leute?

Foto: Gerrit Schmit / PIXELIO.de

Die, die stets eine rote Allwetterjacke tragen? Natürlich mit Kapuze!

Die im Club unterwegs sind und auch beim Tanzen den Minirucksack nicht ablegen? Eine praktische Kurzhaarfrisur tragen und deren Fahrrad mit Reflektoren übersät ist? Praktische Menschen besitzen Regencapes und Citybikes.

Sie tragen Wanderschuhe und bestimmt Funktionsunterwäsche. Sie haben immer, wirklich immer ein Taschentuch dabei und tragen bei Waldspaziergängen selbstverständlich Gummistiefel. Sogar eine Brieftasche haben sie nur für Karten und einen praktischen Dampfgarer für ein schnelles Menü. Sie fahren nur silbergraue Kombis und lieben Hosen, die mit einem Ratsch am Hosenbein zu Shorts werden.

Ich belächle sie. Aber:

Wenn es mal regnet, ärgere ich mich, keine Jacke mit Kapuze zu haben. Keine Gummistiefel und keine Kurzhaarfrisur. Ich habe nie ein Taschenmesser dabei, nicht mal ein Taschentuch, wenn ich es unbedingt brauche und irgendwie ist so ein Dampfgarer echt praktisch. Ich muß zugeben:

Sine ist  unpraktisch!

Morgenimpressionen

Morgenimpressionen

Das Radio dudelt,

Uschi Dreiucker / PIXELIO.de

Frau Raddix schmiert Brötchen. Wie jeden Morgen um diese Zeit. In der Bäckerei ist viel los. Trotzdem keine Hektik. Müdigkeit in den Augen des Monteurs, der auf seinen Kaffee wartet.Geschirrklappern, Zeitungrascheln, der Duft von frischem Kaffee und Brot.

Auf der blauen Latzhose des Monteurs steht „Christian Breuer“. Christian Breuer gähnt und der LKW-Fahrer liest am Stehtisch die „Bild“. Die Schürze von Frau Raddix noch so weiß.

Frieden.

Ich fahre mit meiner Brötchentüte zur Arbeit. Draußen der Morgennebel. Die Sonne ganz schwach. Neil Youngs Songs. „A letter home “ und ich kann fühlen, wie das ist.

Zwei Rinder küssen sich auf der Wiese. Eine Spinne hangelt über meine Fensterscheibe.

Leben.

 

© Sine